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Chronik

Chronik

 

Die Anfänge nach dem 1. Weltkrieg

 

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges 1918 fanden sich mehrere „junge froh begeisterte Burschen“ zusammen und gründeten im Gasthaus zum Kinzigtal von Martin Günther einen Club der „HARMLOSEN“. Hierbei befanden sich auch einige Gründer unseres Vereins. Geselligkeit und fröhliches Beisammensein war der Zweck des „Harmlosen-Clubs“.

 

Nach kurzem gab man diesem Club einen anderen Namen und bezeichnete ihn als den Verein „VERGISSMEINNICHT“. Unter diesem Namen wurden wiederholt Theaterstücke im Saal der Gasstätte Krone aufgeführt.

 

Inzwischen hatten sich einige Mitglieder wieder abgesondert. Es tauchte unter den Mitgliedern der Gedanke auf einen höhergeschätzten Verein zu gründen und zwar einen Schützenverein. So ist es dann auch geschehen und aus dem damaligen Verein Vergissmeinnicht, wurde am 2. Weihnachtsfeiertag des Jahres 1921 (26.12.1921) der Schützenverein im Gasthaus Kinzigtal von Martin Günther gegründet.

Die Gründungsmitglieder waren: 

Karl Daus, Joseph Koch, Alois Daus, Joseph Desch, Wilhelm Müller, Karl Pfeifer, Wilhelm Schum, Adam Kunkel, Wilhelm Appel, Alois Walter, Robert van Gülick, Hugo van Gülick

Der Vorstand wurde am 26.12.1921 von folgenden Personen gebildet:

1. Vorsitzender:      Joseph Desch

2. Vorsitzender:      Karl Daus

Kassierer:               Joseph Koch

Schriftführer:           Wilhelm Müller

Der Verein war gegründet und Joseph Desch sollte 51 Jahre den Vorsitz führen.

 

Durch den damaligen Bürgermeister August Koch fand der Verein große Unterstützung. Mit seiner Hilfe konnte zu dieser Zeit die eine oder andere Waffe beschafft werden. August Koch trat 1922 dem Verein bei und wurde seinerzeit aufgrund seiner großen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Ein Schießstand existierte zu dieser Zeit noch nicht. Mit Unterstützung der damaligen Oberförsterei in Kassel konnte ein Platz im so genannten „Schinzgraben“ gefunden werden. Das Grundstück konnte zu Beginn unentgeltlich genutzt werden. Ein Scheibenstand und ein Schützenstand wurde in Eigenleitung der damaligen Schützenbrüder erstellt.

 

Geübt und geschossen wurde mit einer 8,15 mm Büchse. Der neue Verein wurde bald in der Umgebung bekannt und man wurde wiederholt zu den Vereinen nach Bieber, Lanzingen und Roßbach u.s.w. zum Schießen eingeladen. An die Leistung der anderen Vereine konnten unsere damaligen Schützen allerdings noch nicht heranreichen.

 

Wie im Verein Vergissmeinnicht, trat der Schützenverein alljährlich auch mit einem Theaterstück in der Öffentlichkeit auf. Im Jahr 1926 fand allerdings die letzte Aufführung statt.

 

In den schweren Zeiten der Wirtschaftskrise hatte der Verein einen nicht unerheblichen Mitgliederschwund zu verzeichnen. Zu den einberufenen Versammlung erschienen leider nur sehr wenige Mitglieder. Man machte sich in dieser Zeit sogar Gedanken den Verein evtl. aufzulösen. Dank der damaligen Vorstandsmitglieder konnte die Auflösung verhindert werden. Die Anstrengungen wurden belohnt und Anfang der dreißiger Jahre kamen wieder einige Mitglieder hinzu.

 

Die Zeit des dritten Reichs

 

Am 23. März 1934 wurde beschlossen dem Reichsverband Deutscher Kleinkaliberschützenverbände beizutreten. Die Anmeldung erfolgte zum 1. Juli 1934 mit 14 Mitgliedern. Seitens des Verbandes wurde eine KK-Büchse zur Verfügung gestellt, die 1936 käuflich erworben wurde. Aufgrund der Zugehörigkeit zu diesem Verband wurde der Scheibenstand auf 50 m umgerüstet. Gleichzeitig wurde mit dem Preußischen Staat ein Pachtvertrag über die Benutzung des Schießgeländes abgeschlossen. Die Pacht betrug jährlich 10,- Reichsmark.

 

Während des 3. Reiches wurde dieser Schießstand auch vom hiesigen Kriegerverein genutzt. Durch diesen Verein wurden auch einige Veränderungen an den Bauten durchgeführt, die vom Schützenverein mitbenutzt werden konnten. Die Mitgliederzahl stieg im Jahr 1937 auf 25 Personen an. Dies war auch mit der veränderten Situation im damaligen Deutschland zu sehen. Schießen wurde zum Volkssport.

 

Der 1. erwähnte Schützenkönig stammt aus dem Jahr 1935. Es war Alfred Desch. 1. Ritter war Peter Müller und 2. Ritter war Robert Koch.

 

Am 1. Januar 1937 wurden alle Schießsporttreibenden Vereine im Deutschen Schützenverband im Reichsbund für Leibesübungen vereint. Auch der seitherige Verband, dem der SV Wirtheim angeschlossen war, ist in dem großen Schützenverband vereinigt. Die Schützenvereine im damaligen Kreis Gelnhausen zählten zum Schützenkreis Hanau. Unterteilt war dieser nochmals in den Unterkreis Hanau (Stadt u. Land), sowie den Unterkreis Gelnhausen. Dieser Kreis zählte damals zum Gau Hessen.

 

 

Am 26. Dezember 1936 konnte der Verein auf sein 15 jähriges Bestehen zurückblicken. Anlässlich dieses kleinen Jubiläums fand am 16. Januar 1937 ein kleiner Kommers unter den Vereinsmitgliedern im Vereinslokal Krone statt. Das 25 jährige Jubiläum sollte unser Verein im Jahr 1946 aufgrund des vorangegangen 2. Weltkrieges nicht feiern können.

 

In diesen Jahren wurden auch so genannte Unterkreisschießen abgehalten. (Vergleichbar mit unserer heutigen Kreismeisterschaft). Leider reichte es in der damaligen Zeit sich nicht weiter als auf das Kreisschießen zu qualifizieren. Auch wurden seitens des Verbandes so genannte Opferschießen angeordnet. Pro Schütze mussten hier 10 Pf. an den Verband abgeführt werden. Im Jahr 1938 konnte sich erstmalig ein Schütze aus unserem Verein zum Gauschießen in Frankfurt a.M. qualifizieren, Leo Koch. Über das damalige Ergebnis liegen leider keine weiteren Erkenntnisse vor. Tradition in der damaligen Zeit hatten die so genannten Winterschießen die in den ersten Jahren im Schießhaus Meerholz abgehalten wurden.

 

Mit Wirkung vom 7. März 1939 wurde der damalige Vereinsführer (so wurde der Vorsitzende damals genannt) Joseph Desch zum Unterkreisführer bestimmt.

Beim Königschießen am 12. November 1939 wurde Leo Koch Schützenkönig und erstmals beteiligten sich auch Jungschützen unter 18 Jahren. Bester Schütze damals wurde Richard Günther, der auch heute noch Vereinsmitglied ist. Geschossen wurden bei der Jugend 10 Schuss liegend freihändig. Richard Günther erzielte 68 Ringe und erhielt für seinen Sieg 50 Schuss Munition.

 

Im Jahr 1939 begann auch ein weiteres, düsteres Kapital für Deutschland. Es begann der 2. Weltkrieg und auch einige unserer Kameraden mußten in den Krieg ziehen.

Während der Kriegsjahre konnte der Schießsport ungehindert ausgeübt werden. Alljährlich stand zu Beginn eines jeden Jahres das schon erwähnte Winterschießen. 1941 konnte die 1. Mannschaft den schon lange umlaufenden Wanderpokal gewinnen. Dieser befindet sich heute noch im Besitz unseres Vereins. Ebenfalls im Jahr 1941 konnte der Verein auf sein 20 jähriges Bestehen zurückblicken.

 

Im Jahr 1942, am 5 September, verstarb das Ehrenmitglied August Koch.

Bis zum Kriegsende im Jahr 1945 hatte unser Verein auch einige Opfer zu beklagen.

Gefallen waren: Joseph Daus / Martin Herchenröther / Alfred Pfeifer / Heinrich Ries

Vermisst wurden: Leo Koch / Edmund Appell / Hermann Schäfer / Gregor Müller

Aber auch sie kehrten nicht nach Hause zurück!

 

Die Nachkriegszeit

 

Nach Kriegsende 1945 kam natürlich auch der Schützenverein völlig zum Erliegen. Der Schießsport wurde verboten. Alle Waffen mussten abgeliefert werden. Es bestand kein Schützenverein mehr und auch alle Tradition verschwand. Natürlich hatte auch der SV Wirtheim all seine Waffen abgeben müssen und hatte sich sang- und klanglos aufgegeben (O-Ton Joseph Desch).

 

Durch die Aufmerksamkeit des Schützenbruders Hermann Herchenröther wurden im Juni 1951 Anhaltspunkte entdeckt, wonach sich Schützenverbände bzw. Arbeitsgemeinschaften reorganisierten. Sofort wurden alle möglichen Schritte unternommen und zum Glück wurden auch die richtigen Anhaltspunkte entdeckt. Herr Richard Karl Frey in Frankfurt war der Organisator. Er war es, der sich an die ihm früher bekannten Vereine wandte, und rief zum Zusammenschluss auf. Im Herbst 1951 wurde dann der Hessische Schützenverband mit Sitz in Frankfurt gegründet. An dieser Gründungsversammlung nahmen auch 2 Schützenbrüder unseres Vereins teil, Joseph Desch und Hermann Herchenröther. Der Wirtheimer Verein wurde sofort angemeldet und war damit der erste im Kreis Gelnhausen. Am 7. Juli 1951 wurde die 1. Versammlung einberufen und der 1. Vorstand nach dem Krieg gewählt.


Er setzte sich zusammen aus: 1. Vorsitzender    Joseph Desch                        

                                                 2. Vorsitzender    Richard Günther                   

                                                 Kassierer             Joseph Koch                    

                                                 Hilfskassierer      Hermann Herchenröther    
                   

Der Monatsbeitrag wurde auf 50 Pf. festgesetzt. Der Verein stand wieder und die Zahl der Mitglieder stieg stetig. Am 12. August wurde das erste kleine Preisschießen im Saal der Gasstätte Krone mit dem Luftgewehr abgehalten. Die Gewehre hatte man sich damals von der Fa. Reuel in Neuschmitten geliehen. Das Schießen mit dem KK-Gewehr war von den Besatzungsmächten seinerzeit noch nicht gestattet. Im Jahr 1953 sollte sich dies aber auch ändern. Am 26. Dezember 1951 gedachte man dem 30 jährigen Bestehen des Vereins.

 

Am Ende des Jahres 1951 wuchs unser Mitgliederstamm auf 57 Personen an.

 

Auf dem 2. Hessischen Schützentag vertrat unser damaliger Vorsitzender Joseph Desch den Schützenkreis Gelnhausen. Am 27. Juli 1952 wurde Joseph Desch von den Vertretern der Kreisvereine zum Kreisschützenmeister gewählt. Zu seinem Vertreter wurde aus unseren Reihen Robert Koch von der Versammlung gewählt.

Ab dem Jahr 1952 zählte das Waldfest, das der Schützenverein abhielt, zu einem der gesellschaftlichen Höhepunkte in der Gemeinde Wirtheim.

 

Im Jahr 1954 wurden Verhandlungen über den Erwerb eines Grundstückes durch den Verein vorangetrieben. Am 5. Juni 1955 war es dann soweit. Der Erwerb wurde getätigt und für einen Betrag von 500,- DM wurde das Grundstück am Hasenküppel von Herrn Dr. Appel gekauft. Am 21. November 1957 wurde der Kaufvertrag notariell in Frankfurt getätigt. Am 10. März 1958 wurde vom Amtsgericht in Bad Orb mitgeteilt, daß das Ackerland „Lange Lohe“ mit 19 a und 93 qm dem Schützenverein übertragen wurde. Im Jahr 1955 erfolgte ebenfalls die Eintragung in das Vereinsregister Nr. 26 beim Amtsgericht in Bad Orb.

 

Im Jahr 1955 wurde auch der erste Schützenkönig nach dem Krieg ermittelt. Schützenkönig wurde Ernst Koch, 1. Ritter Karl Appel und 2. Ritter Richard Günther.

Erstmalig in der Geschichte des Vereins wurde unter dessen Organisation das Kreisschießen im Saal Krone durchgeführt. Hierfür wurden 8 Stände aufgebaut. Insgesamt nahmen 174 Schützen mit dem Luftgewehr am 24. Juni 1956 an dieser Meisterschaft teil.

 

Anlässlich seines Vereinsjubiläums im Jahr 1959 ließ der TSV 09 Wirtheim 1958 einen Film über Wirtheim drehen. Am 30. Juni versammelten sich alle Vereine auf dem Sportplatz. Auch unser Schützenverein marschierte bei dem Festzug, der gefilmt wurde, mit. Die grünen Uniformröcke wurden für 10 unserer Mitglieder vom Schützenverein Gelnhausen geliehen. Bereits Anfang 1959 wurde dieser Film gezeigt und auch heute noch ist dieser, mittlerweile auf Video, in unserem Schützenhaus, ab und zu, zu sehen.

 

Die 1960er - Bau des Vereinsheims

 

Im Jahr 1961 konnte unser Verein auf sein 40 jähriges Bestehen zurückblicken. Am 26. Dezember 1961 traf man sich im Gründungslokal Kinzigtal von Robert Günther. Bei gewissen kühlen Getränken verlebte man dabei ein paar frohe Stunden. Das eigentliche Gründungsfest beging man am 13. Januar 1962 im Saal Krone. Anlässlich dieser Veranstaltung wurden unsere Gründer Joseph Desch, Alois Daus und auch Peter Müller vom Verband mit der goldenen Ehrennadel des Schützenbundes ausgezeichnet. Die Auszeichnung im Namen des Verbandes nahm der damalige Kreissportwart und unser heutige Präsident des Hessischen Schützenverbandes Otto Wagner aus Altenhaßlau vor. Der Abend schloß mit einem gemütlichen Beisammensein bei Musik und Tanz.

 

Am 17. Dezember 1963 wurde der Schützenverein beim Landessportbund in Frankfurt angemeldet. Mittlerweile waren auch die Schützen des Hessischen Schützenverbandes, man höre und staune, als Sportler anerkannt.

 

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Schützenvereins wurde im Jahr 1965 bewältigt. Laut Vertrag vom 26. März 1965 wurde von der Fa. Überland Pipeline Bau GmbH Wirtheim eine Bürobaracke von 8 x 10 m für 7.000,- DM erworben. Diese wurde nach Abbruch am 29. Mai 1965 auf dem vereinseigenem Grundstück, am Hasenküppel, neu aufgebaut. Erstmalig fand auch gleich am 12. Dezember 1965 ein Königschießen in unserem neuen Schützenhaus statt.

 

Im Jahr 1966 sorgte vor allem das neue Schützenhaus für ein reges Vereinsleben. In diesem Haus ist ein Raum von 4 x 12 m mit 4 Zugständen für das Schießen mit dem Luftgewehr entstanden. Da außer der Schießbahn noch 2 weitere Räume vorhanden waren, fanden auch größere Veranstaltungen, wie Sylvesterfeiern und Kappenabende statt. Finanziert wurde diese Baracke mit einem Darlehn der Brauerei Wächtersbach in Höhe von DM 3.000,- und 4.000,- DM von privaten Geldgebern. Das Darlehn sollte jährlich in Höhe von 500,- DM an die Brauerei zurückgezahlt werden . Die 4.000,- DM von Privat waren am 31. Dezember 1966 zurückgezahlt.

Im Jahr 1968 erhielt unser Schützenhaus eine eigene Wasserleitung. Lt. den Unterlagen herrschte allgemeine Freude als erstmalig auf dem Hasenküppel das Wasser lief. Es gab aber kein Ausruhen, denn sofort wurde mit dem Anbau der Kellerräume für Toiletten und einem Getränkekeller begonnen. Ebenso ergab sich daraus eine Vergrößerung des Aufenthaltsraumes. Die Gesamtkosten waren mit 16.200 DM angegeben. Das Baumaterial wurde bereits von der Fa. Becker in Kassel geliefert. Sofort gingen unsere Kameraden an die Arbeit. Am 23. September 1968 wurde der Anbau abgenommen. Die aufgelaufenen Kosten zum 31. Dezember 1968 beliefen sich auf 4.385,12 DM. Arbeitslöhne sind aufgrund der kostenlosen Eigenleistung der Mitglieder keine angefallen.

 

 

Nachdem das Schützenhaus stand, war es natürlich auch ein beliebtes Objekt für Einbrecher. Eine Alarmanlage existierte natürlich noch nicht und so kam es, daß im Jahr 1969 uns 2 mal die Einbrecher besuchten. Dabei wurde ein Luftgewehr und diverse Konsumgüter entwendet.

 

Die Gründung der Schießsportgemeinschaft Biebergemünd

 

Seit dem Herbst 1970 haben sich die Schießgruppen des Schützenvereins Wirtheim und des Schützenvereins Viktoria Kassel zusammengeschlossen um den Schießsport gemeinsam unter der Bezeichnung Schießsportgemeinschaft Biebergemünd in Wirtheim durchzuführen. Dieser Zusammenschluss brachte eine erhebliche Leistungssteigerung für beide Vereine. Vereinsmäßig bzw. vorstandsmäßig sollte man allerdings noch einige Jahre getrennte Wege gehen.

 

Das Jahr 1971 stand ganz im Zeichen des 50 jährigen Vereinsjubiläums des Schützenvereins Wirtheim 1921 e.V.. Am 10. Juli fand der Festkommers im Saal der Gasstätte Krone statt. Vom 17. - 19. Juli 1971 fand das Fest mit Festzelt und Vergnügungspark in der Leipziger Straße statt. Joseph Desch war auch wie 1921 noch immer der erste Vorsitzende des Schützenvereins. Für diese außergewöhnliche Leistung erhielt er von den Verbänden verschiedene Auszeichnungen.

 

Im Jahr 1972 trat Joseph Desch nach 51 jähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen zurück. An seine Stelle rückte Martin Huth. 1972 wurde erstmalig der König mit einem Königsadler ermittelt. So ist es auch seither geblieben. Weiterhin wurden im Jahr 1972 wieder Anstrengungen unternommen einen KK-Stand zu errichten. Von den Sachverständigen des Hessischen Schützenverbandes wurde die rechte Hohle oberhalb unseres Grundstückes empfohlen. Erforderlich hierzu war der Erwerb des anschließenden Grundstückes. Der Gemeindevorstand wurde gebeten ein geeignetes Tauschgrundstück zur Verfügung zu stellen, was dieser auch tat. Die Eigentümerin war allerdings mit dem Objekt nicht einverstanden. Sie stellte sich ein Baugrundstück vor. Nachdem der Bau des KK -Standes damit gescheitert war wurde beschlossen eine neue Luftgewehrhalle zu erstellen. Die Gesamtkosten wurden von unserem Architekten Rudolf Müller auf ca. 68.000 DM veranschlagt. Nun folgte eine große Leistung unserer Mitglieder. Nach Genehmigung der neuen Halle verliefen die Baumaßnahmen wie folgt:

Erdaushub - 28. August 1973 / betoniert - 26. September 1973 / Dach gedeckt - 3. November 1973. Anfang 1974 wurde die Schießanlage in Betrieb genommen.

1975 wurde der Schießbetrieb um das Luftpistolenschießen erweitert. In der Jahreshauptversammlung wurde seinerzeit angeregt einen 25m Sportpistolenstand zu errichten. Am 5. Juni 1975 wurde dann auf der Vorstandssitzung beschlossen diesen Antrag zu verwirklichen. Die Baukosten sollten sich auf ca. 60.000,- DM belaufen. Es wurde noch im gleichen Jahr mit den Rodungsarbeiten und dem Aushub begonnen.

 

 

Im Sommer 1976 wurde ebenfalls mit dem Umbau unseres Vereinsheims begonnen. In diesem Zusammenhang ist der Schützenverein Wirtheim ganz besonders einem Freund des Schützenvereins zu Dank verpflichtet, Herrn Richard Link aus Kassel. Mit seinen Ideen und seiner Unterstützung wurde das Vereinsheim umgestaltet. Der Verein alleine wäre dazu nicht in der Lage gewesen. Ihm gebührt hierfür nochmals unser besonderer Dank.

 

Im Jahr 1976 hieß es Abschied nehmen von unserem Ehrenvorsitzenden und Gründer Joseph Desch. Er verstarb am 10. November 1976.

Der Bau des Pistolenstandes verzögerte sich derweil. Die endgültige Genehmigung hierfür erreichte uns am 3. Januar 1977.

 

Die Rundenkampfsaison 1978/79 war die bis dahin erfolgreichste unseres Vereins. 6 Mannschaften gingen an den Start. 4 Meisterschaften und 2 2. Plätze konnte der Verein nach Abschluss der Saison feiern. Dies tat er dann in Form einer großen Meisterschaftsfeier die am 5. Mai 1979 in unserem Schützenhaus stattfand.

Der Sportpistolenstand wurde 1981 fertiggestellt. Am 9. August 1981 erfolgte die offizielle Einweihung.

 

Im Jahr 1983 stellte sich Martin Huth nicht mehr als 1. Vorsitzender zur Wiederwahl. In seiner 11 jährigen Amtszeit wurden Baumaßnahmen in einer Höhe von 150.000 - 180.000,- DM durchgeführt. Trotz dieser, für so einen kleinen Verein, enormen Höhe an Investitionen, steht der Verein am Ende der Amtszeit von Martin Huth schuldenfrei dar. Die ist allein dem umsichtigen Handeln von Martin Huth zu verdanken. An seine Stelle tritt 1983 Oskar Kling.

 

 

Das Jahr 1984 war überschattet vom viel zu frühen Tot unseres ehemaligen Vorsitzenden Martin Huth. Er verstarb plötzlich und unerwartet am 26. Juni 1984.

Ab dem Jahr 1986 übernahm Paul Daus das Amt des 1. Vorsitzenden. Oskar Kling blieb aber dem Vorstand in der Funktion des Kassierers erhalten.

 

Der Brand des Pistolenstands

 

Das wohl schwärzeste Kapital der Vereinsgeschichte trug sich in der Nacht vom 1. Januar zum 2. Januar 1989 zu. Durch eine erwiesene Brandstiftung wurde die Überdachung der Scheibenanlage des Pistolenstandes, sowie die Anlage selbst, durch ein Feuer völlig zerstört. Auch der Einsatz der Wirtheimer Feuerwehr konnte den Stand nicht mehr retten. Der zum gößten Teil in Eigenleistung errichtete Stand wurde ein Raub der Flammen. Hunderte von Eigenleistungsstunden wurden durch einen Brandstifter zerstört. Nachdem der erste Schock unter den Mitgliedern überwunden war, wurden Überlegungen angestellt, den Stand neu aufzubauen. Doch dieses dauerte relativ lange, was verschiedene Gründe hatte. Zum einen konnte man den Stand in der bisherigen Art nicht mehr errichten. Der Grund hierfür waren veränderte Sicherheitsbestimmungen. Der nächste Grund waren Verhandlungen mit dem Eigentümer zwecks Erwerb des Nachbargrundstückes. Der Traum von Joseph Desch bzgl. des Baus eines 50 oder 100 m KK-Standes sollte verwirklicht werden. Doch gefehlt, nach mehr als 2jährigen Verhandlungen mit einem Hin und Her scheiterte das Vorhaben an den utopischen Forderungen des Eigentümers. Die gleiche Situation wie bereits 1974.

 

Engagement im Behindertensport

 

Aber es gab noch einen 3. Grund und das war der mittlerweile erforderlich gewordene Bau einer Behindertentoilette. Viele werden sich fragen warum? Im Jahr 1988 tauchte ein Mann in unserem Verein auf, der in dieser Chronik nicht unerwähnt bleiben darf, Franz Josef Sinsel. Es war an einem Sonntagmorgen in unserem Schützenhaus anlässlich des Schießens der Ortsvereine. An diesem Sonntag schoß auch der MSC Kassel mit einigen Mannschaften. Franz Josef war an diesem Morgen mitgefahren um seinen Verein als Schlachtenbummler zu unterstützen. Als nun ein Schütze in einer Mannschaft ausfiel rief der Willi genannt Milz:

„Franz Josef mach dich e nei un schiss“. Gesagt getan aber wie? Franz Josef Sinsel war 1988 aufgrund einer Krankheit nicht mehr in der Lage die Waffe aus eigener Kraft zu halten. Da eine Schlinge oder ein Ständer zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierten wurden kurzum ein paar Bierdeckel von Ernst Koch unter das Gewehr gelegt. Franz Josef gelang es damals in der Einzelwertung auch den ersten Platz zu erreichen. Ernst Koch sagte im damals, daß er gerne wiederkommen könne, falls er möchte. Aus dem damaligen Sieg wurden dann bis zu dem heutigen Tag mehrfache Deutsche Meistertitel / Europameistertitel / Weltmeistertitel und die Teilnahme an den Paralympics in Barcelona 1992. Die Erfolge wurden alle nach dem Reglement des Behindertenschießens erreicht.. Auch 1996 ging Franz Josef Sinsel bei den Paralympics in Atlanta/USA an den Start. Bald war Franz Josef nicht mehr alleine. Heute umfasst die Gruppe, die für die SSG Biebergemünd starten, 4 Aktive Behindertenschützen. Hinzu kommen weitere 4 Schützen die, wie unsere Aktiven bei nationalen und internationalen Wettkämpfen für den RSC Main-Kinzig starten. Das Schützenhaus des Schützenvereins ist seither das Trainingszentrum für den Bereich Sportschießen des RSC Main-Kinzig. Um den körperlich behinderten Kameraden alle Möglichkeiten zu bieten, wurde ein Anbau mit einer Behindertentoilette erstellt. Da dies natürlich nicht ohne erhebliche Kosten durchzuführen war, mußte der Wiederaufbau des Sportpistolenstandes etwas warten.

 

1990 wurde Franz Josef Sinsel erstmalig Deutscher Meister - just an dem Tag unserer Fahnenweihe dem 19. Mai 1990. Die Fahne erhielt in der Kirche in Biebergemünd Kassel ihre kirchliche Weihe. Mit Unterstützung des Musikvereins Kassel konnte im Anschluss an die kirchliche Feier der große Zapfenstreich durchgeführt werden. Hierzu nahmen die Schützen der SSG Biebergemünd sowie die befreundeten Schützenvereine Aufstellung vor der Kirche. Im Anschluss an den Zapfenstreich ging es in Form eines kleinen Umzuges ins Bürgerhaus Biebergemünd. Die Patenschaft für unsere Fahne übernahm der Schützenverein Bad Orb, zu dem wir nicht erst seit der Teilnahme am jährlichen Zapfenstreich, eine besondere Freundschaft pflegen. Seither tragen wir die Fahne zu freudigen Ereignissen als auch dann, wenn es heißt für immer Abschied zu nehmen von einem unserer Schützenbrüder oder Schützenschwestern.

 

Dies mußten wir in den vergangenen Jahren leider häufig tun. Besonders erwähnen möchte ich hierbei den viel zu frühen Tot von Oskar Kling. Er verstarb am 4. Mai 1992. Oskar Kling war 1. Vorsitzender und in den letzten Jahren bis zu seinem Tot der Kassierer unseres Vereins. Auch Rudolf Müller möchte ich an dieser Stelle erwähnen. Er machte sich nicht nur als Architekt in unserem Verein einen Namen. Er war auch über Jahre hinweg als 2. Vorsitzender für den Verein tätig. Seine letzte Arbeit, die Konstruktion unseres neuen Schießstandes, wurde inzwischen abgeschlossen. Er verstarb am 12. Mai 1994.

 

 

Aber auch erfreuliches gab es 1994 zu verzeichnen. Für sein Engagement bzgl. der Integration von Randgruppen unserer Gesellschaft, in diesem Fall die Behinderten, erhielt der Schützenverein Wirtheim für das Jahr 1993 als 3. Preisträger den Heinz Lindner Preis des Landessportbundes in Hessen verliehen. Aus den Händen des Präsidenten des Landessportbundes, Heinz Fallak und unter der Anwesenheit des damaligen Hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel, erhielt unser 1. Vorsitzender Paul Daus die Urkunde und einen Scheck über DM 3000,- anlässlich einer Feierstunde in Frankfurt ausgehändigt.

 

Zusammenschluss der Schützenvereine Kassel und Wirtheim

 

 

Nach 74 Jahren, 1995, legte sich der Schützenverein Wirtheim 1921 e.V. offiziell einen anderen Namen zu und heißt so, wie wir sportlich seit nunmehr mehr als 30 Jahren auftreten, Schießsportgemeinschaft Biebergemünd 1969 e.V.


Damit war der Weg frei für den Zusammenschluss der Vereine Wirtheim und Kassel. Der Schützenverein Kassel beschloss in seiner Mitgliederversammlung 1995 die Auflösung. Ebenfalls 1995 beschloss der Schützenverein Wirtheim seine Namensänderung und eine neue Satzung. Seit November des Jahres 1995 ist es nun offiziell. Der SV Wirtheim heißt nun Schießsportgemeimschaft Biebergemünd 1969 e. V. Der Vorstand setzt sich seit dieser Zeit aus beiden Vereinen zusammen.

 

(Zusammengestellt von Joachim Koch)